Architektursalon Kassel
Kassel der fünziger Jahre
14. Oktober 2005 bis 14. Juli 2006
Veranstaltungsreihe zur Aktualität der Moderne


Zur Aktualität der Moderne
Die moderne Nachkriegsarchitektur ist in den 70er und 80er Jahren viel gescholten worden. Diese Kritik an der Nachkriegsarchitektur ist untrennbar verbunden mit einer Kritik an der Moderne selbst. Was wir heute Postmoderne nennen, kann auch als Beginn der Kritik an der Moderne bezeichnet werden. Die Kritik an der Moderne hatte sich aber schon zuvor angekündigt: In den 60er Jahren haben nicht nur Theodor W. Adorno (1965) und Alexander Mitscherlich (1965) über das „Unbehagen“ an der modernen Architektur und über die „Unwirtlichkeit“ der Städte geklagt; Anfang der 80er Jahre, als sich die Kritik an der Moderne schon zum Schlagwort „Postmoderne“ zusammenfassen ließ, hat auch Jürgen Habermas von Versäumnissen gesprochen; Bezug nehmend auf Heinrich Klotz kritisierte er die seelenlose Behälterarchitektur, den fehlenden Umweltbezug, die fehlende Urbanität und die Menschenfeindlichkeit der Sattelitenstädte. Seine Hoffnung lag auf einer stärkeren Beteiligung der Bürger am Planungsprozess.

Als Gegenreaktion zur Postmoderne entwickelte sich in den 90er Jahren eine erneute Wertschätzung der Moderne. Doch diese Rückwendung auf die Moderne kann uns nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Kritik an der Moderne der 60er und 70er Jahre in großen Teilen berechtigt war. Heute sollten wir genauer betrachten, was an der Moderne weiterhin kritisch gesehen werden muss und was in die Zukunft gerettet werden sollte. Die bisherige eher pauschale Kritik an der modernen Architektur und Stadtplanung muss differenziert werden. Besonders wichtig erscheint uns die Frage, welchen Stellenwert die Architektur und Stadtplanung der 50er Jahre einnimmt. Wichtige Grundlage hierfür sind die Ausführungen von Lucius Burckhardt (1979). Er sprach von drei Phasen der Nachkriegsplanungen:

1) 1945-1958 Trümmerräumung und Notunterkünfte, zurückhaltender Wiederaufbau;
2) 1958-68 stärkere Eingriffe und unkontrollierte Folgen, wirtschaftlicher Aufschwung.
3) Phase der Planungsverhinderung ab 1968, Kritik an der Technokratie, Kampf gegen bauliche Eingriffe, Umweltbelastung, Partizipation.

Anlass zur Kritik gab in erster Linie die Phase (2) 1958-68. Hier wurden die hypertrophen Verkehrkonzepte verwirklicht und die Fehler im Massensiedlungsbau begangen, die im Brennpunkt der Kritik von Adorno und Mitscherlich standen.


Kontakt:
Dr. Sylvia Stöbe und Michael Krauss, Architektursalon-Kassel,

Ein_Gespräch_über_Kassel.pdf
Vortragsreihe2005_2006.pdf
http://www.architektursalon-kassel.de
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