| Losse - Kunst am Fluss | |
![]() Der Fluss an der Peripherie der Stadt. Der Fluss an seiner eigenen Peripherie. Die Sommerausstellung 2005 "Peripherie" war vom 29. Mai bis 24. Juli zu sehen Außenarbeiten von Hildegard Jaekel, Kordula Klose, Werner Redeker und Antje-Marie Seiffert Was ist Peripherie? Peripherie ist nicht Grenze. Grenze ist das „Ent-Scheidende“, „Entweder/Oder“, „Hier oder Dort“. Peripherie ist das „Noch nicht“ und „Nicht mehr“, das Dazwischen, der Zwischenraum. Das Niemandsland der Peripherie war für die einwohnende Bürgerschaft einer sich auf ihr Inneres, auf ihren Drehpunkt mit Kornhaus, Kirche und König konzentrierenden Gesellschaft ein faszinierendes aber angstbesetztes Gebiet. Doch die gesicherte Welt innerhalb der Stadtmauern löste sich auf, Festungen wurden geschleift, die Stadtkante bröckelte, Stadt und Land gingen weicher ineinander über. Die Angst vor dem Verschwinden in peripheren Institutionen wie Siechenhaus, Zigeunerlager, Friedhof und Hinrichtungsstätte blieb. Dann kam die Epoche der Industrialisierung und die prosperierende Stadt krallte ihre Finger ins Umland, entließ ihre Exkremente in unberührte Natur und wucherte wie ein Tumor ins Gesunde. Auch das ist vorbei. Heute kommt die Peripherie in die Stadt, wächst ihr entgegen und holt sich ihre Kaufkraft. Ein Krieg ist entbrannt. Ein Krieg zwischen Peripherie und Zentrum um Kunden und Investoren und es scheint, als habe die Peripherie hierbei den längeren Atem, nicht zuletzt, da ihr die grünen Wiesen der zusammenbrechenden, dörflichen Landwirtschaft zur Verfügung stehen. Während an der Peripherie täglich neue Zentren des Handels, Vergnügens, Verkehrs und Verbrechens entstehen, sterben die Innenstädte aus. Wo kein Mensch mehr wohnen will, entstehen Brachen und Blindstellen mit reichem Tier- und Pflanzenbesatz. In urbanen Grenzbereichen laufen die gleichen Prozesse ab, wie in der Ökostruktur natürlicher Übergänge, wie Waldrand oder Ufer: Wo die unterschiedlichsten Organismen zusammen treffen, finden die vitalsten Prozesse statt. Bereiche hinter den Grenzen sind weit weniger aktiv. An der östlichen Peripherie Kassels geht die Stadt fast unmerklich in den Landkreis über. Neben dem Müllheizkraftwerk mit seiner imposanten Architektur und den Stadtreinigern finden sich hier Bordelle, Autowerkstätten, internationale Gebrauchtwagenmärkte, Schrebergärten, der Lagerplatz für Sinti und Roma, Getreidefelder, Gartencenter, Schafherden, Speditionen, Ateliers und vereinzelte Wohnhäuser. Radwege, Industriestraßen, gepflasterte Landstraßen, Autobahnzubringer, Trampelpfade und die renaturierte Losse verbinden die Fragmente der Peripherie. Kontakt: Heidi Rühlmann, ZAK - Zentrale für aktive Kunst | |
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